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Überwachung der Umweltradioaktivität

Radionuklide sind überall in der Umwelt anzutreffen. Prinzipiell ist jeder Mensch auf der Welt ionisierender Strahlung ausgesetzt. Dabei kann zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität unterschieden werden.

Strahlenschutz im Bergbau

Die in der Umwelt vorhanden künstlichen Radionuklide, wie z.B. 137Cs  resultieren vor allem aus der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Aber auch während der oberirdischen Kernwaffentests wurden künstliche Radionuklide freigesetzt.

Um die Umwelt kontinuierlich zu überwachen und schnell bereits geringfügige Änderungen in der Radioaktivität zu erkennen, ist das Land Thüringen, ebenso wie alle anderen Bundesländer, in das vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betriebene integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (kurz IMIS) eingebunden.

IMIS

Im Rahmen von IMIS erfolgt die Überwachung der Umweltradioaktivität in Deutschland im Normal- (Routine-) und Intensivbetrieb. Grundsätzlich befindet sich IMIS im Normalbetrieb. Im Falle von Ereignissen mit möglichen nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) der Intensivbetrieb angeordnet. Dabei teilen sich Bund und Länder die bestehenden Aufgaben. Die Aufgaben des Bundes ergeben sich aus § 161 StrlSchG (Strahlenschutzgesetz). Die Aufgaben der Länder, die in Thüringen durch das TLUBN wahrgenommen werden, resultieren aus § 162 StrlSchG. Die Länder ermitteln Messwerte zur Radioaktivität u.a. in den folgenden Umweltbereichen:

  • in Lebens- und Futtermitteln
  • im Trink- und Grundwasser
  • in oberirdischen Gewässern außer den Bundeswasserstraßen
  • in Abwässern, Klärschlamm und Abfällen
  • im Boden
  • in Pflanzen

Die sich daraus ergebenen Probennahmestellen in Thüringen sind so verteilt, dass alle für den jeweiligen Umweltbereich relevante Regionen in der Überwachung berücksichtigt sind. Außerdem sollen die Probennahmestellen über ganz Thüringen möglichst gleichmäßig verteilt sein, so das ein repräsentativer Überblick für Thüringen entsteht.

Darstellung der IMIS-Probennahmestellen in Thüringen

Im Rahmen eines Routinemessprogramms werden jährlich etwa 600 Umweltproben aus Thüringen im TLUBN auf Radioaktivität untersucht. Die Überwachung konzentriert sich dabei auf Radionuklide, die insbesondere als Folge der langfristigen Auswirkungen der oberirdischen Kernwaffenversuche und des Betriebs kerntechnischer Anlagen in der Umwelt vorkommen.

Dabei kommen die folgenden Messverfahren zur Anwendung:

  • Gamma-Spektrometrie mit Reinst-Germanium-Detektoren
    (z.B. 40K, 60Co, 103Ru, 131I, 134Cs, 137Cs, 144Ce)
  • Alpha-Spektrometrie nach radiochemischer Probenvorbereitung
    (z.B. 238Pu, 239/240Pu, 241Am, 234U, 235U, 238U
  • Messung von Beta-Strahlern mittels Low-Level-Counter nach radiochemischer Probenvorbereitung (z.B. 90Sr, 89Sr)
  • Messung von Beta-Strahlern mittels Liquid Scintillation Counter (LSC) nach radiochemischer Probenvorbereitung (z.B. 3H)
  • In-Situ-Gamma-Spektrometrie

Die Messergebnisse werden zeitnah in die IMIS-Datenbank des Bundes übertragen.  Das BfS stellt ein eigenes Internetportal zur Verfügung, in dem diese Daten sowie weitere Bundes- und Landesdaten abgefragt und über graphische Darstellungen visualisiert werden können.

Geoportal des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)

Weiterführende Informationen zu diesem Thema befinden sich ebenfalls auf den Seiten des Bundesamts für Strahlenschutz unter:

BfS zum Thema Notfallschutz (IMIS)

Messungen zur Lebensmittelsicherheit und zum Verbraucherschutz

Im Auftrag des Thüringer Landesamts für Verbraucherschutz (TLV) werden routinemäßig Radioaktivitätsmessungen (137Cs) zur Lebensmittelsicherheit und zum Verbraucherschutz auf Grundlage der sogenannten "Tschernobyl-Verordnung" durchgeführt. Die Probennahme erfolgt durch die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter.

Die Ergebnisse werden vom Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz veröffentlicht.

Qualitätsmanagement

Die in der Umweltradioaktivität erhobenen Messwerte bilden eine wesentliche Grundlage für fachliche Zuarbeiten (z.B. des BfS) für die Unterrichtung und Information der Bevölkerung sowie für Entscheidungen der öffentlichen Verwaltung im Fall von radiologischen Notfällen. Durch das bestehende Qualitätsmanagement entsprechend der Vorgaben und Anforderungen nach der DIN EN ISO/IEC 17025 wird gewährleistet, dass richtige, plausible, präzise und verlässliche Ergebnisse erhalten werden. Nachfolgende Punkte sind wesentliche Bausteine für eine gelungene Umsetzung eines funktionierenden Qualitätsmanagementsystems:

  • erfolgreiche Teilnahme an Ringversuchen
  • Durchführung interner und externer Audits
  • Einrichtung von Qualitätskontrollsystemen (z. B. regelmäßige Messung von Standards)
  • Überprüfung und Verbesserung von Prozessen
  • Schulung von Mitarbeitern

Derzeit ruht die Akkreditierung für den Bereich "Radiometrische Untersuchungen von Lebensmitteln und Futtermitteln" in der Landesmessstelle für Umweltradioaktivität am Standort Jena entsprechend der Vorgaben der DIN EN ISO/IEC 17025. Als staatliches Labor wird die Einhaltung der Forderungen der DIN EN ISO/IEC 17025:2018 sichergestellt.

Akkreditierung & Leistungsverzeichnis

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