Gewässerentwicklung und Gewässerstruktur
Gewässer sollen so entwickelt werden, dass sie der Gesellschaft am besten nutzen. Sie sollen Wasser speichern, Hochwasser zurückhalten, artenreiche und reizvolle Landschaftselemente sein und zur Naherholung einladen.
Ein wesentlicher Faktor für die Gewässerentwicklung ist die Gewässermorphologie.
Weitere Faktoren sind die Durchgängigkeit für die im Wasser lebenden Organismen, die Schwimmstoffe, Schwebstoffe und Sedimente sowie ein intakter Wasserhaushalt. Weitere Informationen zur Durchgängigkeit für Fische befinden sich auf einer gesonderten Seite.
Was bedeutet Gewässermorphologie und welche Auswirkung hat sie?
Gewässer bestehen aus dem Gewässerbett und dem darin stehenden oder abfließenden Wasser. Während die Gewässergüte die Qualität des Wassers bezeichnet, wird mit der Gewässermorphologie der Lauf des Gewässers in der Landschaft, die Profilausprägung und das Sediment beschrieben. Gegenstand dieses Beitrags ist die Morphologie der Fließgewässer.
Die Morphologie hat Auswirkung auf den Fließweg im Tal, die Fließgeschwindigkeiten, das Ausuferungsverhalten und damit die Interaktion (Wechselwirkung) mit der Aue und dem Grundwasserkörper sowie auf die Formenvielfalt eines Gewässers und des Sediments.
Natürliche Gewässer mäandrieren oder haben einen verästelten Verlauf, ufern oft aus und haben eine starke Interaktion mit der Aue und dem Grundwasserkörper. Sie fließen relativ langsam ab und halten den Grundwasserkörper auf einem hohen Niveau. Damit halten sie Hochwasser gut zurück und haben auch eine gute Widerstandsfähigkeit in Trockenzeiten. Sie habe eine große Formenvielfalt und bieten vielfältige Lebensräume für die Tiere und Pflanzen der Gewässer. Auch ihr Selbstreinigungsvermögen ist gut. Neben der Wasserqualität hat die Morphologie somit unmittelbar Auswirkung auf den Artenreichtum der Gewässer.
Naturfern ausgebaute Gewässer sind begradigt, vertieft und schmal. Sie ufern selten aus, entwässern die Aue und führen das Wasser schnell ab. Sie haben mit ihrem immer gleichen Profil eine geringe Formenvielfalt. Das schnelle Abführen des Wassers führt bei den Unterliegern zu größeren und schnelleren Hochwasserwellen. Sie fallen in Trockenzeiten eher trocken und bieten wenig Lebensräume und damit wenig Artenreichtum. Ihr Selbstreinigungsvermögen ist schlecht.
Naturnahe Gewässer benötigen mehr Platz in der Aue und befinden sich bestenfalls in einer natürlichen, von Auwald geprägten Aue, die das Rückhalte- und Speichervermögen weiter verbessert. Damit bieten sie weniger Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung der Aue. Währen der Rückhalt des Wassers in der freien Landschaft die Hochwassergefahr verringert, können natürliche Gewässer in besiedelten Bereichen, wenn ihnen nicht genug Platz gegeben wird, mit der früheren Ausuferung zu einer Verschärfung der Hochwassersituation führen.
Es gibt nur noch wenige naturnahe Gewässer in Deutschland. Die meisten wurden begradigt, eingetieft und an den Rand der Aue gelegt, um mehr landwirtschaftliche Nutzfläche oder Siedlungsfläche zu erhalten. Aus heutiger Sicht kann der natruferne Ausbau eines Gewässers in Ortslagen gerechtfertigt sein, um große Hochwasserschäden zu vermeiden. Es besteht hingegen nicht mehr die Auffassung, dass die mit dem technischen Ausbau in der freien Landschaft verbundenen Nachteile in Kauf genommen werden sollten.
Es gibt auch fast keine natürlichen Auen mehr. Der Zustand der größeren Gewässer und Auen wird im Auenzustandsbericht des Bundesamt für Naturschutz beschrieben.
Wie sieht die Morphologie natürlicher Gewässer aus?
Gewässer sind nicht gleich. So hat ein Alpenfluss eine andere Morphologie als ein Mittelgebirgsfluss oder ein sandgeprägter Fluss in der Norddeutschen Tiefebene. Gewässer werden deshalb in morpologische Fließgewässertypen unterschieden. Eine bundesweite Karte der Gewässertypen findet sich beim Umweltbundesamt. Für Thüringen sind Beschreibungen und eine Karte auf der Seite Gewässergüte/Überwachungsgrundlagen dargestellt.
Die Beschreibung der Morphologie deutscher Fließgewässertypen wird auf der Seite des Umweltbundesamtes veröffentlicht: Link
Wer sich dafür interessiert, wie die Biologie dieser Fließgewässer aussieht, wird auf der Seite der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), dem "Wasserblick" fündig: Link
Wie wird der mophologische Zustand der Gewässer bewertet? Gewässerstrukturkartierung
Das für die Bewertung des morphologischen Zustandes der Gewässer eingesetzte Verfahren heißt Gewässerstrukturkartierung.
Erhoben werden anhand vieler Merkmale die morphologischen Eigenschaften.Sie werden dann mit den typspezifischen Eigenschaften eines natürlichen Gewässers verglichen und mit einer Skala von 1 = naturnah bis 7 = naturfern bewertet.
Das grundlegende Verfahren zur Berwertung wurde von der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) erarbeitet und wird hier beschrieben.
Welche Ergebnisse gibt es in Thüringen
In Thüringen wurde/wird in 2 Phasen kartiert.
- In den Jahren 1998 bis 2008 nach dem LAWA Übersichtsverfahren. Eine Verfahrensbeschreibung dazu kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angeboten werden.
- In den Jahren 2022 und noch andauernd nach dem von Thüringen modifizierten LAWA Verfahren für kleine und große Fließgewässer, das als "offenenes Verfahren" bezeichnet wird. Die Beschreibung findet sich hier.
Die Ergebnisse der Kartierung lassen sich auf dem Kartendienst des TLUBN anschauen. Dazu ist in der Karte links, unter "Wasserwirtschaft/Gewässerschutz" im Unterpunkt "Gewässerstrukturgüte-Kartierung" die "Karte Gewässerstrukturgüte-Kartierung" auszuwählen. Dargestellt werden die bewerteten Ergebnisse der Hauptparameter und die Gesamtbewertung, die abgefragt und auch heruntergeladen werden können.
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