Ermittlung von Hochwasserschäden
In der Planung von Hochwasserschutzprojekten ist es wichtig zu wissen, wie hoch die Schäden sind, die bei einem Hochwasser entstehen können. Die Summe der Schäden wird zum Beispiel für den Vergleich benötigt, wie hoch der Aufwand ist, um diese Schäden zu vermeiden. Weiterhin dient die Ermittlung der Summe der Schäden für die Festlegung, wo in Thüringen mit dem verfügbaren Geld zur Schadenvermeidung im Hochwasserfall der höchste Nutzen erzielt werden kann.
Deshalb wurden Methoden entwickelt, mit denen die in der Zukunft entstehenden Schäden eingeschätzt werden können. Die Methoden basieren auf Erfahrungen aus vergangenen Hochwassern, auf der Berechnung von zu erwartenden Wasserständen und Fließgeschwindigkeiten und auf dem Wissen über die Nutzung der Flächen in den Überschwemmungegebieten.
Die Höhe der Schäden abgelaufener Hochwasser zu bestimmen ist schwer. Die Summe der Wiederherstellungskosten, also die Kosten der Reparatur der bei einem Hochwasser entstandenen Schäden, bietet sich als mögliches Kriterium an. Aber auch diese können nur abgeschätzt werden, denn einige Schäden tragen die Bürger, andere Versicherungen, wieder andere Unternehmen oder die öffentliche Hand. Diese Summen laufen an keiner Stelle zusammen. Zudem ist zu beachten, dass wiederhergestellte Infrastruktur neu ist und die zerstörte Infrastruktur nur noch einen Zeitwert hatte.
Mit viel Aufwand wurde für Thüringen und Sachsen aus verschiedenen Datenquellen erhoben, an welchen Gebäudetypen bei welchen Wasserständen in etwa welche Schäden zu erwarten sind. Aus diesen Werten lässt sich je Gebäudetyp oder je Flächennutzung eine Funktion erstellen, die abhängig von der Überlfutungstiefe einen durchschnittlichen Schadenwert je m2 eines überfluteten Geäbäudes bestimmt. Diese Funktionen heißt Schadenfunktion.
Mit hydraulischen Modellen (siehe Seitenleiste "Hydraulik") wird berechnet, bei welchem Abfluss welche Wasserstände entsteht. Damit lässt sich jedem Abfluss ein möglicher (potentieller) Schaden zuordnen. Dieser Schaden ist das Schadenpotential.
Berechnet wird zudem aufgrund von Messungen vergangener Jahre, wie oft welche Abflüsse auftreten. Große Hochwasserabflüsse treten seltener auf als kleine Hochwasserabflüsse. Es wird jedem Wiederkehrintervall (ein Jahr, zwei Jahre, .... 100 Jahre) ein Abfluss zugeordnet. Die Zusammenstellung dieser Abflüsse stehen als Gewässerlängsschnitte zur Verfügung.
Über die Wasserstände und die Schadenfunktionen kann nun das einem Abfluss zugehörige Schadenpotential berechnet werden.
Im weiteren wird berechnet, wie viel Geld jährlich angelegt werden müsste, um alle in Zukunft auftretenden Schäden zu begleichen. Das ist der so genannte Schadenserwartungswert. Demgegenübergestellt wird, wie viel Geld über die Lebenszeit einer Hochwasserschutzanlage jährlich aufgewendet werden müsste, um diese zu bauen und zu unterhalten. Die Werte werden verglichen.
Es gibt in Thüringen unterschiedlich aufwändige Methoden, um die Schäden zu berechnen. Je nach Zweck, ist ein geringerer Aufwand mit einer groben Aussage oder ein höherer Aufwand sinnvoll:
- Die Methode mit dem gerinsten Aufwand wird verwendet, um einzuschätzen, welche Gewässer ein besonders großes Hochwasserrisiko haben. Hier werden die Flächen und ihre Nutzung aus dem Amtlichen Liengeschaftskataster Informationssystem (ALKIS) verwendet um Schadenpotentiale zu ermitteln.
- Die Methode mit dem etwas größeren Aufwand wird genutzt, um zu prüfen, welche Priorität Hochwasserschutzprojekte haben. HIerzu werden die Geebäude aus dem ALKIS verwendet und einzelnen Gebäudearten Schadenfunktionen zugeordnet.
- Ergeben sich aus der vorangegangenen Methode Ergebnisse, die nicht plausibel oder im Vergleich zu den Baukosten in etwa gleich sind, führt dies zu der aufwändigsten MethodeBei der aufwändigsten Methode fließt die Bauart von Gebäuden ein, die Frage, ob sie unterkellert sind, Einzeluntersuchungen zu besonders schadenanfälligen Nutzungen wie Gewerbeansiedlungen oder Veranstaltungshallen werden durchgeführt. Einzelgebäude oder Gebäudegruppen erhalten individuelle Schadenfunktionen.
Grundsätzlich ist es möglich, die Methoden gemeinsam zu nutzen und Bereiche mit offenischtlich geringen Schäden mit einer einfacheren Methode zu bearbeiten, hingegen hochwertige Nutzungen intensiver zu untersuchen.
Die Links auf die Beschreibung der Thüringer Methoden zur Schadenermittlung sowie auf die Thematik Hydrauliken befinden sich in der Seitenleiste.
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