Bedeutung von Kulturlandschaften für den Naturschutz
Kulturlandschaften sind das Ergebnis eines langen Zusammenwirkens von Mensch und Natur. Sie spiegeln die Wechselwirkungen zwischen natürlichen Gegebenheiten und menschlichem Handeln wider und zeigen, wie Menschen ihre Umwelt gestalten und nutzen. Dabei entstehen vielfältige Landschaften. Kulturlandschaften sind nicht nur Ausdruck kultureller Identität und Geschichte, sondern auch Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Ihre Erhaltung ist wichtig für die ökologische Vielfalt, die nachhaltige Entwicklung und das kulturelle Erbe. Das Verständnis von Kulturlandschaften trägt somit wesentlich zum Schutz unserer Umwelt und zur Bewahrung unserer Geschichte bei. In der aktuellen Ausgabe der „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ befassen sich gleich zwei Beiträge mit bedeutenden Ausprägungen der Kulturlandschaft in Thüringen: den Kräuter- und den Streuobstwiesen.
Im ersten der beiden Hauptbeiträge stellen jedoch Florian und Christianna Serfling erst einmal die Ergebnisse des FFH-Monitorings für Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Wechselkrötevor. Dabei handelt es sich um Arten, die aufgrund des Fehlens der ursprünglich besiedelten Primärhabitate wie z. B. dynamischer Flussauen zunehmend auf Sekundärhabitate wie Abbaugruben angewiesen sind. Um das Überleben dieser gefährdeten Arten in Thüringen sicherzustellen, sind dringend koordinierte Maßnahmen von der Sicherung geeigneter Laichgewässer über die Schaffung von Mikrohabitatstrukturen bis hin zur Wiedervernetzung verinselter Populationen erforderlich.
Im Hauptbeitrag mit dem Schwerpunkt auf Kulturlandschaften zeichnen Judith Malter, Ilke Marschall, Martin Sommer und Claudia-Maria Maruschke die lange Tradition der ökonomischen Nutzung von Kräutern auf Kräuterwiesen in Form von sogenannten Olitäten nach. Dabei liegt der regionale Fokus auf dem sogenannten Thüringer Kräutergarten, der sich über Bereiche der Naturparke „Thüringer Schiefergebirge / Obere Saale“ und „Thüringer Wald“ erstreckt. Thematisiert werden u. a. die Bedeutung von Kräuterwiesen für unser Natur- und Kulturerbe, ihr naturschutzfachlicher Wert und ihr Potenzial für die Steigerung der Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen.
Tina Buchmann informiert anschließend über die 4. Erweiterung der Unionsliste der EU-Verordnung Nr. 1143 / 2014 zu invasiven gebietsfremden Arten. In Kurzbeiträgen fassen Marie Scheller und Nils Heinrich ihre Erfahrungen aus dem Projekt „Streuobstweisen – Kostbare Lebensräume für Wendehals, Hirschkäfer und Kleine Hufeisennase“ zusammen. Dabei steht die Erhaltung alter Streuobstwiesen rund um die Ohrdrufer Muschelkalkplatte im Mittelpunkt. Günter Berwing berichtet über die Besonderheit von Nestern des Schwarzstorches auf abgestorbenen Fichten im Landkreis Sonneberg. Tristan Lemke & Werner Westhus feiern 35 Jahre „Informationen zur Floristischen Kartierung in Thüringen“, Gabriel Leicht und Andreas Kröckel bewerben Untersaaten als Ansatz zur Optimierung im Feldhamsterschutz und Ilke Marschall stellt eine historische Obstsorte, die historische Oberdorlaer Lichtkirsche, vor.
Abgerundet wird das Heft durch die Verabschiedung von Beate Schrader in den Ruhestand, gewürdigt durch Ingrid Werres und Wulf Mielke, sowie durch Buchbesprechungen über die täglichen Kriminalfälle in der Natur und eines botanischen Naturführers für Vorschulkinder.
Die Hefte der Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ sind über das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz zu beziehen oder ab Heft 1/2024 kostenfrei unter https://tlubn.thueringen.de/lnt herunterzuladen. Möchten Sie über das Erscheinen der Hefte informiert werden, dann schreiben Sie eine kurze Mail an: lnt@tlubn.thueringen.de.
Hintergrund:
Die Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ erscheint in der Regel vierteljährlich. Das jeweils letzte Heft des Jahrgangs ist ein Sonderheft, das sich einem Schwerpunktthema widmet. Die Zeitschrift erscheint seit 1964 unter dem gleichen Namen und gehört damit zu den in Deutschland am längsten kontinuierlich erscheinenden Fachzeitschriften des Themengebietes. Sie dient u. a. Behördenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, Büros für Landschaftspflege, Landschaftsplanung und Naturschutz, amtlichen und ehrenamtlichen Naturschützerinnen und Naturschützern, Studentinnen und Studenten und der interessierten Öffentlichkeit als Arbeits-, Informations- und Austauschmedium. Das Redaktionskollegium der Zeitschrift unter der Leitung der Abteilung Naturschutz des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz besteht aus Vertretern des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes, der Thüringer Hochschulen sowie Thüringer Naturkundemuseen. Die Beiträge stammen aus einem breiten Autorenkreis von Aktiven aus allen Bereichen der Landschaftspflege und des Naturschutzes.
