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Weißstorch in Gefahr: Experten warnen vor tödlichen Gummibändern im Biomüll


Verendeter Weißstorch
Gummibänder im Magen eines verendeten Weißstorches, Foto: Juliane Balmer, TLUBN (2025)

Erfurt/Jena, 31. Juli 2025 – Acht junge Weißstörche sind in Thüringen in diesem Jahr nachweislich durch verschluckte Gummibänder ums Leben gekommen. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle dürfte noch höher liegen. Der NABU Thüringen, der Verein Thüringer Ornithologen (VTO) und das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) schlagen Alarm: Gummibänder und andere Kunststoffabfälle im Biomüll werden zunehmend zur tödlichen Gefahr für heimische Vogelarten.

„Weißstörche verwechseln die Gummibänder mit Regenwürmern und fressen sie oder verfüttern sie an ihre Jungen“, erklärt Juliane Balmer von der Staatlichen Vogelschutzwarte des TLUBN in Seebach. „Die Überladung des Magens durch die unverdaulichen Gummibänder führt zu inneren Verletzungen, Organquetschungen und letztlich zu einem qualvollen Tod durch Herz-Kreislaufversagen.“

Ein besonders tragischer Fall: Bei einem toten Jungvogel wurden über 370 Gramm Gummibänder im Magen gefunden. Die verendeten Tiere stammten u. a. aus Seebach, Niederdorla, Altengottern und Bufleben. Weitere Verdachtsfälle aus Walldorf werden derzeit untersucht.

Ursachen bekannt – Verantwortung liegt bei Handel und Verbrauchern

Das Problem ist nicht neu – und längst kein rein thüringisches. Bundesweit werden Gummibänder und Kunststoffteile zunehmend über den Biomüll entsorgt. Häufig gelangen sie über Kompostanlagen oder Felder, auf denen Kompost ausgebracht wird, in die Nahrungskette. Altstörche sammeln dort vermeintliche Nahrung und füttern ihre Jungen mit den gefährlichen Abfällen.

„Besonders häufig sind es Gemüse oder Schnittblumen, die mit Gummibändern gebündelt im Biomüll landen“, sagt Marcus Orlamünder, Naturschutzreferent des NABU Thüringen. „Dabei gibt es längst Alternativen: Bündelungen mit Papier, Sisal oder Jute sind biologisch abbaubar und ungefährlich für Tiere.“

Appell an Verbraucher, Handel und Kompostanlagen

NABU Thüringen, VTO und TLUBN fordern:

  • Verbraucher: Gummibänder und andere Kunststoffreste gehören nicht in den Biomüll, sondern in den Restmüll – besser noch: ganz darauf verzichten.
  • Einzelhandel: Verzicht auf Gummibänder oder konsequente Trennung vor der Entsorgung von Gemüsegrün und Blumen.
  • Kompostierungsbetriebe: Maßnahmen zur besseren Separation von Kunststoffabfällen, um eine Verbreitung in der Umwelt zu verhindern.

„Nicht nur Störche sind betroffen“, warnt Michael Nickel vom VTO. „Auch andere Vogelarten, die Regenwürmer oder ähnliches fressen, können durch verschluckte Gummibänder sterben – oft unbemerkt in Hecken oder auf Feldern.“

Bild: Gummibänder im Magen eines verendeten Weißstorches, Foto: Juliane Balmer, TLUBN (2025)
(Das Foto ist zur Veröffentlichung freigegeben.)

Pressekontakte:
NABU Thüringen: Jürgen Ehrhardt, Tel.: 03641 605704, E-Mail: Juergen.Ehrhardt@NABU-Thueringen.de  
Verein Thüringen Ornithologen (VTO): E-Mail: Geschaeftsstelle@vto-ev.de

Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz: Nils Fröhlich, Tel.: 0361 573942502, E-Mail: Nils.Froehlich@tlubn.thueringen.de

 

Kontakt für Presse / Journalist:innen

Nils Fröhlich
Pressesprecher

Göschwitzer Str. 41
07749 Jena

Tel.:
+49 361 573942502

E-Mail:
nils.froehlich@tlubn.thueringen.de

 

Über das Landesamt

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) ist die obere Landesbehörde im nachgeordneten Bereich des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz. Wir sind für Bürger:innen, Unternehmen, Institutionen und die Politik des Freistaates die zentrale Behörde in allen Umweltbelangen. Wir übernehmen ressortintern Fach- und Vollzugsaufgaben insbesondere in den Bereichen Wasserwirtschaft, Bergbau und Geologie, Chemikaliensicherheit, Strahlenschutz, Immissionsschutz, Klimaanpassung, Bodenschutz, Abfallwirtschaft, Marktüberwachung, Gentechnik sowie Naturschutz und Landschaftspflege.

Unsere circa 670 Mitarbeiter:innen arbeiten in der Behördenzentrale in Jena und weiteren Außenstandorten in Weimar, Gera, Suhl, Sondershausen, Bad Salzungen und Niederpöllnitz sowie in der Staatlichen Vogelschutzwarte in Seebach.

Nach Inkrafttreten des Thüringer Verwaltungsreformgesetzes wurde das TLUBN am 1. Januar 2019 durch Zusammenführung der ehemaligen Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) in Jena, der Abteilung Umwelt des Landesverwaltungsamtes in Weimar und des Thüringer Landesbergamtes (TLBA) in Gera gegründet. Für weitere Informationen zum TLUBN besuchen Sie unsere Website unter https://tlubn.thueringen.de.

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