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Überblick über die Pflanzenartenvielfalt Thüringens

Nach vorsichtigen Schätzungen kommen in Thüringen über 25.000 Pflanzenarten vor (Pflanzen im weiteren Sinne, einschließlich aller Algen- und Pilzgruppen). Bei weit über der Hälfte dieser Arten, also dem größten Teil der pflanzlichen Vielfalt, handelt es sich um noch weitgehend unerforschte ein- bis wenigzellige Algen und Pilze.

Farn- und Blütenpflanzen

Die Farn- und Blütenpflanzen sind in Spross, Blätter und Wurzeln gegliedert. Von ihnen werden derzeit 2.473 Arten für Thüringen aufgeführt (Zündorf et al. 2006). Sie steuern also lediglich ein knappes Zehntel zur Vielfalt der Pflanzen Thüringens bei, prägen aber nahezu alle unserer heimischen Lebensgemeinschaften. Über 40 % der Farn- und Blütenpflanzen sind als bestandsbedrohte Arten in der Roten Liste verzeichnet (Korsch & Westhus 2021).

Die Blüten- bzw. Samenpflanzen lassen sich zunächst in zwei Organisationsstufen gliedern, die Nackt- und die Bedecktsamer. Letztere können weiterhin in Ein- und Zweikeimblättrige unterteilt werden. Die zu den Einkeimblättrigen zählenden 52 nachgewiesenen Orchideenarten tragen nur mit weniger als 0,2 % zur pflanzlichen Vielfalt Thüringens bei. Sie weisen aber einige der schönsten und bekanntesten Vertreter der Thüringer Pflanzenwelt auf.

Kartierung der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens

Moose

Moose sind Sporenpflanzen, die während ihrer Entwicklung einen Generationswechsel durchlaufen. Unsere Kenntnisse über diese Artengruppe sind ebenfalls gut. Aus Thüringen sind derzeit 820 Taxa bekannt. Davon sind knapp die Hälfte als bestandsbedrohte Arten in der Roten Liste verzeichnet (Eckstein 2021).

Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen

Algen

Geringe Kenntnisse besitzen wir über die Algengruppen in Thüringen. Da die meisten Algen weit verbreitet sind, kann man davon ausgehen, dass von den 17.000 weltweit bekannten Süßwasseralgen mindestens 10.000 auch in Thüringen zu erwarten sind (mündl. Mitt., Braune 2008). Besonders artenreiche Gruppen sind die Kiesel- und Grünalgen. Bei den Algen ist unsere Kenntnis weitgehend auf die mit bloßem Auge erkennbaren Arten beschränkt, zu denen auch Rote Listen vorliegen. So wurden bisher 18 Armleuchteralgen (Korsch 2021) und 21 Süßwasser-Rotalgen (Helmecke & Knappe 2021)

Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen

Flechten

Flechten sind Pilze, die mit Grünalgen oder Cyanobakterien (so genannte „Blaualgen“) symbiotisch zusammenleben. Unser Wissen zu den Flechten ist relativ gut. 1.169 Arten werden für Thüringen angegeben, wovon 60 % als bestandsbedroht in der Roten Liste aufgeführt sind (Eckstein & Grünberg 2021)

Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen

Pilze

Bei den Pilzen, die aus heutiger Sicht neben den Tieren und Pflanzen ein eigenständiges Reich bilden, ist von mehr als 10.000 Arten auszugehen (Hirsch et al. 2001). Bekannt sind vor allem die „Großpilze“, d. h. Arten aus den Gruppen der Ständer- und Schlauchpilze, deren „Fruchtkörper“ eine gewisse Größe erreichen, sodass sie mit dem bloßen Auge sichtbar sind.

Mit der Bearbeitung der 5. Fassung der Roten Liste der Pilze Thüringens (Gminder 2021) wurden erstmals alle in Thüringen nachgewiesenen Pilzarten unabhängig von ihrer Größe berücksichtigt. Ausgeschlossen wurden dabei traditionell die Flechten, die phytoparasitischen und die imperfekten Pilze. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind somit in Thüringen etwa 4.400 Taxa nachgewiesen, was der Schätzung von Hirsch (2011) mit 4.500 Taxa bereits relativ nahekommt.

Von den „Kleinpilzen“ sind die Phytoparasiten mit 856 Arten (Thiel & Schmidt 2021) und die Schleimpilze mit 241 Arten (Müller & Riemay 2011) etwas besser bekannt, so dass für diese Gruppen auch Rote Listen erstellt werden konnten.

Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen

  • Weiterführende Literatur

    • Eckstein, J. (2021): Rote Liste der Moose (Bryophyta) Thüringens. – Naturschutzreport 30: 373-388
    • Eckstein, J. & H. Grünberg (2021): Rote Liste der Flechten (Lichenes) Thüringens. –Naturschutzreport 30: 401-424
    • Gminder, A. (2021): Rote Liste der Pilze („Fungi“) Thüringens. – Naturschutzreport 30: 425-458
    • Helmecke, K., &  J. Knappe (2021): Rote Liste der Süßwasser-Rotalgen (Rhodophyceae) Thüringens. – Naturschutzreport 30: 395-400
    • Hirsch, G., U. Luhmann & F. Gröger (2001): Rote Liste der Großpilze („Macromycetes“) Thüringens. 3. Fassung, Stand: 09/2001. – Naturschutzreport 18: 332-360
    • Hirsch, G. (2011): Rote Liste der Großpilze („Macromycetes“) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 439-472
    • Korsch, H. (2021): Rote Liste der Armleuchteralgen (Charophyceae) Thüringens. –  Naturschutzreport 30: 389-394
    • Korsch, H., & W. Westhus (2021): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Thüringens. – Naturschutzreport 30: 345-372
    • Müller, H., & K.-H. Riemay (2011): Rote Liste der Schleimpilze (Myxomycetes) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 485-490
    • Thiel, H. & M. Schmidt (2021): Rote Liste der phytoparasitischen Kleinpilze (Brandpilze [Ustilaginomycetes, Exobasidiomycetes], Antherenbrände [Microbotryaceae], Wurzelgallbrände [Entorrhizaceae], Rostpilze [Pucciniales], Echte Mehltaupilze [Erysiphaceae], Falsche Mehltaue [Peronosporaceae] und Weißroste [Albuginaceae]) Thüringens. – Naturschutzreport 30: 459-480
    • Zündorf, H.-J., K.-F. Günther, H. Korsch & W. Westhus: Flora von Thüringen. – Weissdorn-Verl. Jena: 766 S.

    Der Bezug des Naturschutzreports ist über das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz  (TLUBN) möglich - hier geht es zur Übersicht der Publikationen

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